Fanzines und DIY: wie Metal und Hardcore ihren eigenen Kreislauf aufbauten
Fanzines und DIY-Kultur gehören zur Metal- und Hardcore-Szene, auch heute noch, neben Internet und Streamingdiensten. Das britische Punk-Fanzine Sniffin' Glue erschien 1976 in London und wurde zum Vorbild für viele spätere Hefte. Dieser Beitrag von Kellerlärm geht der Frage nach, woher diese selbstgemachten Hefte kamen und wie Musik abseits der großen Labels zirkulierte.

Was ist ein Fanzine?
Ein Fanzine ist ein Heft, das Fans im Selbstverlag herausgeben. Meist wird es von Hand zusammengestellt und anschließend auf dem Kopierer vervielfältigt. Dafür braucht es nur wenige Hilfsmittel. Deshalb konnte jeder ein solches Heft machen, der etwas zeigen und weitergeben wollte.
Fanzines und DIY gehören von Anfang an zusammen: Ein von Hand geklebtes und kopiertes Heft entsteht ohne großen Verlag. Wer es macht, entscheidet selbst über Inhalt und Gestaltung. Sniffin' Glue gilt in diesem Umfeld als Vorbild für viele spätere Hefte.
Tape-Trading: Musik von jenseits der Landesgrenzen
In den 1980er-Jahren tauschten Fans Kassettenkopien per Post. Dieser Austausch hieß Tape-Trading. Das Prinzip war einfach: Eine leere Kassette, ein Umschlag und die Adresse einer anderen Person genügten, um eine Aufnahme in eine andere Stadt oder sogar in ein anderes Land zu schicken.
Durch den Tausch lernte man Bands aus anderen Ländern kennen. Fanzine und Kassette hatten damit etwas gemeinsam: Beide entstanden und kursierten abseits der großen Labels.
Das unabhängige Label: wer steckt dahinter?
Ein unabhängiges Label ist meist ein Projekt von Enthusiasten. Solche Labels veröffentlichen Platten, Kassetten und Vinyl in kleinen Auflagen, sodass jede Veröffentlichung nur in begrenzter Stückzahl erhältlich ist.
Für Hörerinnen und Hörer heißt das: Veröffentlichungen unabhängiger Labels sind schwerer zu finden als Massenware. Das Label ist ein weiteres Glied in diesem Kreislauf, den Menschen mit ihrer Leidenschaft für Musik ebenso prägen wie Fanzines und Tape-Trading.
Flyer, Collagen und Siebdruck
Zum DIY-Kreislauf gehörten auch Konzertflyer. Sie entstanden als Collagen aus Schnipseln und wurden anschließend kopiert oder im Siebdruck vervielfältigt. Der Kopierer diente also nicht nur zur Vervielfältigung von Fanzines, sondern auch von Flyern.
Papier im Zeitalter des Internets
Internet, Streamingdienste und Plattformen für den Direktverkauf haben den Vertrieb verändert. Auch wenn Musik heute online verfügbar ist, entstehen weiterhin gedruckte Zines.
Fanzine, Tape-Trading, unabhängiges Label und Konzertflyer sind vier Teile eines Kreislaufs, in dem Kopierer, Post und kleine Auflagen eine wichtige Rolle spielten. Weitere Beiträge von Kellerlärm widmen sich der Kultur der Metal- und Hardcore-Szene.